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Schöner Kommentar...

... von Frank Ayasse zu #381:

"Hallo Mirco,
vielen Dank dafür dass Du uns regelmäßig unregelmäßig an Deinem Leben - zumindest in kleinen Teilbereichen – über Deine Videos teilnehmen lässt. Und dann noch, wie hier im aktuellen Video, mit tollem handgemachten Hardrock und auch sonst mit passender Musik unterlegt.

Ich bin der Meinung dass Du durchaus in der Lage bist Dinge entsprechend zu bewerten und danach zu handeln. Wie Du handelst und Deine unternehmerischen Entscheidungen triffst ist ganz allein Deine Sache.
Nur weil ich Deinen Kanal abonniert habe und ab und zu mal reinschaue qualifiziert mich das nicht dazu Dir aus tausenden Kilometer Entfernung irgendwelche klugen Ratschläge zu geben oder Dir Kritik um die Ohren zu hauen. Dazu habe ich trotz der vielen Videos(auch von Deinem anderen Kanal) die ich von Dir gesehen habe kein Recht, denn wir kennen uns nicht persönlich, sind keine engen Freunde, ich bin nicht in Deinen Business-Plan eingeweiht und ich bin nur für die kurze Spanne die die Länge Deiner Videos ausmacht Gast in einem kleinen Teil Deines Lebens. Natürlich teilst Du Dich manchmal in Deinen Videos sehr ausführlich und eindringlich mit und erfragst die Meinung des zusehenden Kollektivs. Aus meiner Sicht ist das dann aber immer situationsbedingt und ich als Zusehender sollte mir gut überlegen was und wie ich antworte. Wie auch immer, der Ton macht die Musik.

Zum Thema Owner Operator:
Bei uns hier in (West-)Deutschland gibt es den "Owner Operator" ja auch als sog. "Selbstfahrenden Unternehmer". Ich hatte in meinem Freundeskreis einige die da Anfang und Mitte der 80-er Jahre auf die Art den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben. Da man ja zu dieser Zeit für Ferntransporte noch die sog. amtlich ausgegebenen "Fernverkehrs-Konzessionen" brauchte um überhaupt innerhalb Deutschland Fernverkehr fahren zu dürfen war das ein hartes Brot. Da die Zahl dieser Konzessionen limitiert war und es eigentlich nur dann freie Konzessionen gab wenn eine Spedition zugemacht hat oder ein "Selbstfahrender" seine Konzession z. B. auf "Rentenbasis" weitergegeben hat wurden diese Konzessionen für teilweise astronomische Summen gehandelt. Da eine Konzession aber nicht einfach so weiterverkauft werden durfte wurden dann alte LKW zusammen mit Konzession für bis zu 250.000 D-Mark verkauft.
Wer keine Konzession bekommen oder sich diese schlicht nicht leisten konnte hat sich einen strategisch günstig gelegenen sog. "angenommenen Standort" gesucht und konnte im Radius von 80 km um diesen Standort im "Nahverkehr" fahren. Das hat dann dazu geführt das die meisten "Selbstfahrenden" sich in den Nahverkehrsbereichen "gebalgt" haben weil die großen Speditionen ihren Verteilerverkehr nach und nach fast komplett an "Selbstfahrende" vergeben haben. Die Frachtpreise im Nahverkehr sind dadurch immer mehr kaputtgemacht worden. Die großen Speditionen haben davon profitiert, das gnadenlos ausgenutzt und als "Selbstfahrender" hattest Du bald nur noch genauso viel oder weniger am Monatsende auf dem Konto wie ein angestellter Fahrer, dafür aber das volle Betriebsrisiko. Viele sind damals Pleite gegangen und zahlen heute noch die Schulden von damals ab. Deshalb ist bei uns in Deutschland der "Selbstfahrende Unternehmer", zumindest bei Leuten meiner Altersgruppe die damals gefahren sind, eher negativ besetzt. Erst Ende der 90-er Jahre hat sich das etwas bereinigt als die EU-Harmonisierung kam und die Konzessionen dem EU-Recht und dem Schengener Abkommen zum Opfer gefallen sind. Erst da konntest du als Unternehmer mehr oder weniger fahren wie und wohin Du wolltest.

Zum Thema Pannen mit dem LKW:
Ich bin in den 80-er und 90-er Jahren MAN und Mercedes gefahren. Mein erster LKW war ein MAN 19.321(19 To. GG, 320 PS) Unterflur mit Fuller-Getriebe. Durch den Unterflurmotor(der hing unten im LKW Rahmen) hattest Du damals schon ein Fahrerhaus mit durchgehendem graden Boden mit fast Stehhöhe. War absoluter Luxus und viele Kollegen haben mich beneidet denn die üblichen Fernverkehrsfahrerhäuser hatten die hohe und breite "Motorkiste" in der Mitte so dass du da immer in Hockstellung unterwegs warst wenn Du in die Koje oder heraus wolltest. Einigermaßen aufrecht um- und/oder anziehen ging nur auf der Beifahrerseite. Wenn Du zu zweit unterwegs warst bedurfte das schon guter Koordination. Der MAN mit “Unterflurmotor“ war in den Werkstätten aufgrund der Motoreinbaulage "sehr beliebt". Deshalb haben wir penibel darauf geachtet das, wenn irgend etwas nicht richtig funktioniert hat, dies sofort instandgesetzt wurde. Daher habe ich, als ich das Fahrzeug mit knapp 500.000 km abgegeben habe auch bis auf ein paar Kleinigkeiten keine Pannen gehabt. Auch mein nächster MAN, ein 19.291(19 To. GG, 290 PS), hat mich bis auf einen undichten Kühler und eine kaputtgerappelte Verdichterleitung auf 250.000 km nie im Stich gelassen. Kleinigkeiten wie kaputte Glühbirnen, mal eine neu Frontscheibe wegen Steinschlag sind kaum der Rede wert. Ich habe dann für kurze Zeit den Kraftfahrerberuf sein lassen.
Nach einer kurzen Episode von 1,5 Jahren als Betriebsmechaniker in einem Lebensmittelbetrieb bin ich wieder zurück „auf den Bock“. Nun mit einem alten Mercedes 1632(16 To. GG, 320 PS). Den habe ich mit 680.000 km übernommen und mit 1.150.000 km abgegeben. Erwähnenswerter Schaden in der Zeit in der ich ihn gefahren bin ist ein defekter Luftverdichter. Mein letzter LKW war ein nagelneuer Wechselbrücken-Hängerzug, Maschine dreiachsig, Hänger zweiachsig. Die Zugmaschine war ein Mercedes 2235(22 To. GG 350 PS) mit dem sogenannten ESP(Electronic Power Shift). D. h. grob erklärt die Gänge wurden über einen kurzen Schaltknauf mit Zusatzschaltern für die Gruppe und den Splitter, der einen elektrischen Schalter betätigte der sein Signal über Kabel an Pneumatikservos am Getriebe weitergab, eingelegt. Auch das Gaspedal war nur noch ein elektronischer Regelkreis der sein Signal über Kabel an einen Regler an der Einspritzpumpe weitergab. Dieser LKW hat mir innerhalb von einem Jahr mehr Probleme bereitet als alle anderen zusammen vorher. Immer wieder Schwierigkeiten mit der Schaltung und dem Gaspedal durch Elektronikprobleme. Immer wieder defekte Pneumatikservos am Getriebe und zum Schluss ein massiver Getriebeschaden weil bei einer vorausgegangenen Reparatur ein Servo nicht korrekt justiert worden war. Da zu dieser Zeit – Anfang der 90-er - der Ton im Fernverkehr gegenüber uns Fahrern immer rauer wurde und mir das zusammen mit den Fahrzeugproblemen den letzten Nerv geraubt hat habe ich dann irgendwann das Handtuch geworfen und bin dauerhaft zurück in meinen erlernten Beruf als Mechaniker. Ich habe in der kleinen Spedition mit vier LKW in der ich vorher als Fahrer gearbeitet habe dann noch am Wochenende die Werkstatt gemacht und bin immer wieder als Aushilfe eingesprungen. Als ich dann nach meiner Meisterprüfung die Leitung einer Instandsetzungsabteilung in einem größeren Betrieb übernommen habe war auch das vorbei. Seither bin ich nur noch sporadisch immer mal wieder als Aushilfe gefahren.
Was ich damit sagen will. Auch ich bin nicht auf MAN oder Mercedes festgelegt aber ich habe so wie Du das gefahren was mir hingestellt wurde. Das waren halt MAN und Mercedes. Bis auf den letzten Mercedes war ich zufrieden wobei ich nach dem ständigen Theater mit dem letzten schon immer mal wieder gesagt habe das die “Neue Schwere Klasse“ von Mercedes der letzte Mist sei und ab Werksausfahrt sofort zum Verwerter gefahren werden sollte.
Natürlich ist es schon so dass unsere LKW in Europa durch die vielen Kurzstrecken, steile Auf- und Abfahrten, enge Kurvenradien, viel Stop- und Go, ständig hohe Ladegewichte usw. stärker belastet werden als wenn man 1.200 km am Stück auf relativ gut ausgebauten Strecken ohne große Behinderungen mit relativ leichter Ladung durchfahren kann. Aber dieser Umstand ist ja unseren Entwicklern hier bekannt und da erwarte ich dass der LKW so gebaut wird das er diese Belastungen aushält. Da zählt dann für mich keine weinerliche Ausrede nach dem Motto: Das haben wir doch nicht wissen können…
Wenn ich sehe was Dein Truck für eine Laufleistung hat und setzte die Pannen die Du uns miterleben hast lassen dagegen dann hast Du trotzdem eine durchaus zuverlässige Maschine. Das viele vermeintliche Probleme(Ghost-Errors) aus der Elektronik kommen ist leider keine Binsenweisheit mehr und wird immer schlimmer werden je mehr von den elektronischen Helferlein in Deinem Fahrzeug rumgeistern. Wehe dem der da ängstlich wird und jedes Mal in die Werkstatt fährt. Sieht man ja bei den heutigen PKW. Ich fahre jetzt meinen dritten “Ami“ und habe das OBD-Auswertegerät immer im Kofferraum mit dabei. Leuchtet die gelbe Motorkontrollleuchte auf wird beim nächsten planmäßigen Stop das Gerät angeschlossen, der Fehler ausgelesen, bewertet und gelöscht. Dann ist erst mal wieder Ruhe für die nächsten 2 – 3.000 km. Kommt der Fehler öfter wird er eingegrenzt und anhand des Stromlaufplans erst mal ermittelt wo Steckverbindungen sind und ob diese in Ordnung sind. Bisher war es in den meisten Fällen so das Kontaktspray und korrektes Zusammenstecken mit Sichern der Steckverbindung z. B. mit Kabelbindern dazu geführt haben das keine Fehlermeldung mehr angezeigt wurde. In meinem F150 hatte ich das Gerät eines amerikanischen Herstellers fest am Armaturenbrett verbaut und dauernd an der OBD-Steckdose angeschlossen. Eigentlich war das Gerät zur Steigerung der Motorleistung gedacht. Da das Gerät aber auch zum Auslesen und Löschen der Fehlermeldungen während der Fahrt verwendet werden konnte war das ne feine Sache. Da musste ich nicht mal mehr anhalten. Vielleicht könnte Dir so ein Gerät nützlich sein?

Mirco ich wünsche Dir und allen anderen hier alles Gute, allzeit gute Fahrt und immer genug Sprit im Tank."